Manie – ein unterschätztes Symptom

Heute ist es mal wieder an der Zeit, um über ein Krankheitsbild bzw. Symptom zu sprechen, das vielleicht auf den ersten Blick von vielen erwünscht wäre, jedoch bei genauerer Betrachtung viele negative Konsequenzen hat, die nicht selten einen stationären Klinikaufenthalt nötig machen. Doch was ist eigentlich eine Manie. Bei einer Manie ist die Stimmung über mindestens eine Woche abnorm gehoben und es müssen mind. 3 der folgenden Merkmale auftreten:

  • Gesteigerte Aktivität oder motorische Ruhelosigkeit
  • Rededrang (Logorrhoe)/gesteigerte Gesprächigkeit
  • Ideenflucht und subjektives Gefühl von Gedankenrasen
  • Verlust normaler sozialer Hemmungen (->unangemessenes Verhalten)
  • Vermindertes Schlafbedürfnis
  • Überhöhte Selbsteinschätzung/Grössenwahn
  • Ablenkbarkeit/dauernder Wechsel von Aktivitäten und Plänen
  • Tollkühnes oder leichtsinniges Verhalten (Geld ausgeben, risikoreiches Verhalten etc.)
  • Gesteigerte Libido oder sexuelle Aktivität

Man unterscheidet dabei eine Manie mit und eine Manie ohne psychotische Symptome (Halluzinationen, Wahnideen). Die Manie kann als manisches Syndrom oder im Rahmen einer bipolaren Störung auftreten. Bei letzterem Krankheitsbild leiden die Betroffenen unter dauernden Wechsel zwischen einer depressiven Verstimmung/Depression und einer Manie. Man unterscheidet dabei die Bipolar-1-Störung (klassischer Wechsel zwischen Manie und Depression) und Bipolar-2-Störung (leichte Manie/Hypomanie und Depression). Zusätzlich gibt es bei den bipolaren affektiven Störungen noch die Zyklothymie, welche eine mind. 2 Jahre bestehende Instabilität der Stimmung mit zahlreichen depressiven Phasen und Zeiten leicht gehobener Stimmung. Ca. 20% der Betroffenen entwickeln später eine Bipolar-1- oder Bipolar-2-Störung. Eine reine Manie existiert praktisch nicht. Wie bei der dissoziativen Identitätsstörung sind rund 1% der Bevölkerung von der Erkrankung betroffen.

Die Diagnose ist meist schwierig, weil Betroffene nicht von manischen Phasen berichten (weil der Leidensdruck meist nicht so gross ist wie bei einer Depression). Wie bei fast allen psychischen Erkrankungen ist von einer multifaktoriellen Genese auszugehen. Die Therapie der bipolaren affektiven Störung umfasst Pharmakotherapie und Psychotherapie:

  • Pharmakotherapie: Manie (atypische und niedrigpotente Antipsychotika, Benzodiazepine, Lithium oder Valproinsäure), Depression (Antidepressiva), Stimmungsstabilisierer (Phasenprophylaktika wie Lithium, Carbamazepin, Valproinsäure, Lamotrigin), Antipsychotika
  • Psychotherapie: Manie (keine klassische Psychotherapie möglich), Psychedukation (Vermittlung von Informationen über die Erkrankung), Selbsthilfegruppen, systemische Familientherapie, kognitive Verhaltenstherapie und interpersonelle Psychotherapie

Ihr seht eine Manie scheint zwar zu Beginn sehr kreativ und positiv. Im Rahmen von Erkrankungen mit einer klassischen Manie wird das Symptom zu einem Problem. Folgen für die Betroffenen sind häufig finanzieller Ruin, Beziehungsprobleme/Scheidung oder strafrechtliche Konsequenzen bei Delikten wie zum Beispiel Rasen. Ich wohnte bei meinem jetzigen Klinikaufenthalt zusammen mit einer manischen Patientin und ich kann euch sagen, dass das eine Herausforderung ist. Gerade wenn es einem nicht gut geht ist der Rededrang und die motorische Unruhe eher störend. Im Medizinstudium hatte ich in einer Prüfungssimulation einen Schauspiel-Patienten, der unter einer Manie litt und einen ausgeprägten Grössenwahn zeigte. Ich kann euch sagen, das war eine Herausforderung, aber ich habe die Situation irgendwie gemeistert und hätte die Prüfung bestanden 🙂

So, ich hoffe, dass ich euch ein differenziertes Bild zur Manie liefern konnte. Vielleicht könnt ihr in eurem Umfeld mal eine Manie beobachten. Wichtig ist, die Betroffenen darauf anzusprechen, da sie häufig euphorisch sind und diesen Zustand sogar schätzen.

–Lia

Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation

Liebe Community, Wie in allen Dingen des Lebens – man entwickelt sich stets weiter. „Be Many!“, ein Blog der primär aus dem Nähkästchen im Leben einer Patientin mit einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) erzählt, wagt einen Schritt in den nächsten „Lebensabschnitt“: Ab sofort arbeitet „Be Many!“ mit der Online-Plattform Netzwerk: Trauma & Dissoziation zusammen. Klingt ähnlich?„Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation“ weiterlesen

Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann

An anderer Stelle dieses Blogs habe ich bereits von der Wichtigkeit des Tagebuchs im Leben einer Person mit dissoziativer Identitätsstörung erwähnt. Wie Ihr wisst, habe ich lange mit der Diagnose der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung (Typ Borderline) gelebt. Dort lernte ich die sogenannte dialektisch behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan kennen. Linehan war selbst Borderline-Patientin und entwickelte diese„Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann“ weiterlesen

Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist

Als eifrige Leser meiner Beiträge zur dissoziativen Identitätsstörung (DIS) wisst ihr, dass dieses Krankheitsbild selten allein auftritt. Fast immer geht es mit der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) einher, welche durch das Wiedererleben der traumatischen Situationen (Flashbacks, Intrusionen), dem Vermeiden von Dingen, die einen an das Erlebnis erinnern und dem erhöhten Gefühl des Bedrohtseins charakterisiert ist. Auch„Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist“ weiterlesen

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