Die WG vergrössert sich

Good News, meine kleine WG ist um zwei Mitglieder reicher. Herzlich willkommen Bobby und die kleine Lena! Beide konnten durch die spezifische Therapie mit inneren Anteilen identifiziert werden. Beide nehmen sie wichtige Funktionen ein, für die es bisher eine Lücke im System gab. Da beide Anteile stark dissoziiert (d.h. abgespalten) waren, konnten sie nicht früher identifiziert werden. Wenden wir uns zuerst Bobby zu.

Darf ich vorstellen: Bobby.

Bobby ist sehr starkt traumatisiert und was wir bis jetzt wissen, spielt er insbesondere bei der Trauerverarbeitung eine wichtige Rolle. Er hört insgesamt drei innere Stimmen, die nicht einem der anderen Anteile zugeordnet werden können. Diese Stimmen können richtig fies und abwertend oder gar imperativ (d.h. befehlend) werden. So haben diese Stimmen Boby schon mehrfach dazu aufgefordert Dinge zu tun, die uns schaden. Doch er kann nicht anders. Wenn er diese Dinge ausführt verstummen diese Stimmen und er hat seine Ruhe. Obwohl er der WG schon schmerzhafte Dinge angetan hat, so hat er doch eine Beschützerfunktion. Er wird aktiv, wenn eine Situation (Stichwort: Trauer) untragbar wird und will diese Gefühle von den anderen fernhalten. Ich weiss, das klingt paradox. Doch in den Augen von Bobby scheint dies die richtige Umgangsform zu sein.

Es ist uns in der Therapie gelungen, mit Bobby Kontakt aufzunehmen und ihm zu sagen, dass er das nicht mehr tun muss, da die Gefahr vorbei ist. Die anderen aus der WG konnten ihm Fragen stellen. Er scheint nun besser integriert in unser System zu sein und hat seinen Platz gefunden. Klar, manchmal gibt es noch Rückfälle und wir landen wieder im Spital. Im Grossen und Ganzen hat es sich durch die Therapie aber stark verbessert. Es ist nicht das Ziel der Therapie, Bobby zu verbannen oder zu vermeiden, dass er vorne ist. Ziel ist es, ihm klar zu machen, dass er eine Aufgabe hat und sich sinnvoll in die Gemeinschaft einbringen kann.

Kommen wir zum nächsten Mitglied, das ich die „kleine Lena“ nenne. Es gibt schon eine erwachsene Version, die sich bisher immer schützend vor die kleine Lena, die in der Pubertät ist, stellt. Die kleine Lena befindet sich in einem mentalen schalldichten Raum zusammen mit dem anderen kleinen Anteil Kiki. Die kleine Lena leidet sehr unter Flashbacks und wird daher von möglichen Reizen, die diese auslösen, abgeschottet. Kiki und die kleine Lena haben also einen Raum in der Berghütte (so nenne ich mein Verteidigungshaus) nur für sich, in dem sie schalten und walten können wie sie wollen. Sie haben Plüschtiere, auf einer Grossleinwand laufen die Lieblingsfilme in Endlosschleife und es gibt reichlich Pizza zu futtern.

Die kleine Lena gehört zu den verletzlichen inneren Anteilen. Durch eine spezielle Technik konnten wir erreichen, dass die kleine Lena auf einen Schlag älter wurde. So nahmen auch die Flashbacks ab. Ich finde das noch interessant. Bisher war mir nicht bewusst, dass ein Anteil auch älter gemacht werden kann. Ich bin froh, habe ich so ein experimentierfreudiges Expertenteam um mich herum, das immer wieder neue Dinge ausprobiert.

Das sind nun meine 10 Anteile: Chantal, Lia, Emily, Lena, kleine Lena, Tim, Toby, Bobby, Svea, Kiki. Ich bin gespannt, ob wir in der Therapie noch weitere WG-Mitglieder entdecken oder ob das schon alle sind. Wobei ich sagen muss, dass die Therapie und der Alltag mit so vielen Anteilen sehr anstrengend ist und mich immer wieder vor grössere Herausforderungen stellt.

–Chantal

Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation

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Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann

An anderer Stelle dieses Blogs habe ich bereits von der Wichtigkeit des Tagebuchs im Leben einer Person mit dissoziativer Identitätsstörung erwähnt. Wie Ihr wisst, habe ich lange mit der Diagnose der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung (Typ Borderline) gelebt. Dort lernte ich die sogenannte dialektisch behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan kennen. Linehan war selbst Borderline-Patientin und entwickelte diese„Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann“ weiterlesen

Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist

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