In Isolation und trotzdem nie alleine

Ich habe mich in verschiedenen Blogposts über meine Symptome, die eine DIS verursachen kann, beschwert, obwohl es weitaus Schlimmeres gibt. Ich bin dreifach geimpft, aber Corona hat mich voll erwischt und eine Woche flachgelegt. Ihr könnt euch vorstellen, dass eine 7-tägige Corona-Isolation psychisch recht schwierig auszuhalten ist, vor allem wenn man so wie ich noch mit einem Benzo-Entzug zu kämpfen hat und Suizidgedanken und der Drang zur Selbstverletzung täglich vorkommen. Da braucht es einserseits sehr viel Willensstärke meinerseits und andererseits viel Fingerspitzengefühl vom Pflegepersonal, das mich hier in der Klinik hegt und pflegt. Ich muss sagen, ich hätte es nicht besser treffen können. Meine Bezugspersonen waren rund um die Uhr für mich da und versuchten mich aufzumuntern. Vielen Dank liebes Pflegepersonal!

Diese 7 Tage haben mir zwar therapeutisch nicht viel gebracht (weil sich niemand so wirklich zu mir ins Zimmer getraut hat ;-)), aber ich habe sehr viel über mich und meine WG gelernt. So konnte ich als Bobby das erste Mal mit dieser bösen imperativen Stimme in Kontakt treten und ihr sagen, dass ich nicht gut finde, was sie da tut und dass das nicht mehr nötig sei in der heutigen Zeit. Ich bin heute erwachsen (zumindest auf dem Papier ;-)) und lebe mein Leben. Diese Stimme ist noch festgefahren in früheren Mustern. Es ist schwierig diese zu durchbrechen. Da muss ich sicherlich mit meinem Therapeuten noch dahinter – aber es ist trotz der Umstände ein Fortschritt.

Auch ist mir aufgefallen, dass die Stimmen der anderen Persönlichkeitsanteile eine beruhigende Wirkung auf mich hatten. Ich war die meiste Zeit alleine in der Isolation, ausser mir wurden die Medikamente oder das Essen gebracht. Da tat es gut, sich mit jemandem unterhalten zu können. Da kam Überraschendes ans Licht: Emily beispielsweise liebt Mathematik. Jetzt weiss ich woher ich diese Affinität zu Zahlen habe. Mit Tim habe ich mich über Frauen unterhalten – er findet Emma Watson toll – daher wohl meine Vorliebe für Harry Potter. Ihr seht, es war durchaus unterhaltsam.

Das tröstet aber nicht über die schwierigen Momente hinweg. Zwei Mal habe ich mich in Isolation selbst verletzt, davon könnte ein Mal als versuchter Suizid gewertet werden (obwohl es das nicht war). Ich weiss, ich wollte während dieser Zeit einen Benzo-Entzug machen, aber ich konnte mich nicht strikt daran halten. Meine psychische Verfassung war insbesondere gegen Ende der Isolation so schlecht, dass ich mich nur mit Benzodiazepinen schadlos halten konnte. Es ist ein kleiner Rückschlag. Was mich tröstet ist, dass es mit der Isolation und dem mittelschweren Covid-Verlauf eine Ausnahmesituation war.

Morgen endet meine Isolation. Ich bin zwar noch immer sehr erschöpft, weise aber keine Corona-typischen Symptome mehr auf. Ich bin froh, endlich wieder mit der Aussenwelt in Kontakt zu treten, ohne dass sich meine Mitmenschen wie Marsmenschen umziehen müssen. Nun wird es therapeutisch weiter im Text gehen. Ich freue mich darauf, weiter Fortschritte zu machen, sodass ich irgendwann mal austreten kann. Aber ich habe keine Eile – Hauptsache ist, dass ich mich jetzt erst mal von Corona erhole und dann für den Studienbeginn fit bin.

–Chantal

Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation

Liebe Community, Wie in allen Dingen des Lebens – man entwickelt sich stets weiter. „Be Many!“, ein Blog der primär aus dem Nähkästchen im Leben einer Patientin mit einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) erzählt, wagt einen Schritt in den nächsten „Lebensabschnitt“: Ab sofort arbeitet „Be Many!“ mit der Online-Plattform Netzwerk: Trauma & Dissoziation zusammen. Klingt ähnlich?„Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation“ weiterlesen

Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann

An anderer Stelle dieses Blogs habe ich bereits von der Wichtigkeit des Tagebuchs im Leben einer Person mit dissoziativer Identitätsstörung erwähnt. Wie Ihr wisst, habe ich lange mit der Diagnose der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung (Typ Borderline) gelebt. Dort lernte ich die sogenannte dialektisch behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan kennen. Linehan war selbst Borderline-Patientin und entwickelte diese„Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann“ weiterlesen

Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist

Als eifrige Leser meiner Beiträge zur dissoziativen Identitätsstörung (DIS) wisst ihr, dass dieses Krankheitsbild selten allein auftritt. Fast immer geht es mit der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) einher, welche durch das Wiedererleben der traumatischen Situationen (Flashbacks, Intrusionen), dem Vermeiden von Dingen, die einen an das Erlebnis erinnern und dem erhöhten Gefühl des Bedrohtseins charakterisiert ist. Auch„Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist“ weiterlesen

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