Wenn die Angst Überhand nimmt

Heute schreibt „Be Many!“ mal über ein anderes Thema als die dissoziative Identitätsstörung – nämlich über Angststörungen. Betroffene leiden entweder unter einem ständigen Gefühl der Angst (generalisierte Angststörung) oder haben spezifische Ängste, welche sie im Alltag enorm einschränken. Im Gegensatz zur gerichteten Angst (oder Phobie) ist die Angst bei Patienten mit einer generalisierten Angststörung frei flottierend. Ist eine ungerichtete Angst anfallsartig spricht man von einer Angst- oder Panikattacke. Gemäss Paulitsch et al. leiden rund 30% der Menschen im Verlauf ihres Lebens unter einer Angststörung. Dabei nehmen spezifische Ängste den grössten Anteil ein. Die Ursachen sind wie bei fast allen psychischen Erkrankungen vielfältig. Psychosoziale wie auch biologische Faktoren und Lernprozesse (z.B. Modelllernen) spielen eine Rolle. Betroffene nehmen sowohl psychische (z.B. Angst zu Sterben, Angst vor Kontrollverlust, Schwindel) als auch körperliche (z.B. Herzklopfen, Zittern, Schwitzen, Brustenge etc.) Symptome war.

Die Diagnosekriterien gemäss der diagnostischen Bibel ICD-10 sind so vielfältig wie die Angststörungen selber. Panikstörungen sind gekennzeichnet durch eine anfallsartige ungerichtete Angst (innert Minuten, abrupt, Dauer wenige Minuten, körperliche Symptome), während die generalisierten Angststörung über Monate andauert und mit einem Gefühl der ungerichteten Angst verbunden ist. Davon abzugrenzen sind die spezifischen Ängste wie Phobien. Man unterscheidet:

  • Agoraphobie: Angst vor Menschenmengen – Betroffene hat eine deutliche Furcht vor Menschenmengen, öffentlichen Plätzen, Allein-Reisen, Reisen mit weiter Entfernung von zu Hause.
  • soziale Phobie: Angst vor Menschen – Betroffene haben Angst davor im Mittelpunkt zu stehen oder sich peinlich zu verhalten. Es sind typische Angstsymptome vorhanden und zusätzlich mind. eines der folgenden Symptome: Erröten oder Zittern, Angst vor Erbrechen, Harn-/Stuhldrang.
  • Spezifische Phobie: Betroffene haben eine deutliche Furcht vor bestimmten Objekten oder Situationen. Typisch sind Angst vor Injektionen, der Dunkelheit, Tieren oder Platzangst.

Jetzt wissen wir um die verschiedenen Formen der Angst. Nun, wie kann ihr nun begegnet werden. Es gibt zur einen Seite Psychopharmaka wie Antidepressiva (z.B. Sertralin, Cipralex), Benzodiazepine (z.B. Valium, Temesta, schnell wirksam), Antipsychotika (z.B. Truxal) oder andere (Pregabalin, Betablocker), die sich in der Therapie von Angststörungen bewährt haben. Diese sollten aber immer von Psychotherapie und sog. psychoedukativen Massnahmen begleitet werden. Besonders wirksam sind die kognitive Verhaltenstherapie sowie autogenes Training und progressive Muskelrelaxation (beides Entspannungstechniken).

Angststörungen sind häufig, weshalb ich entschieden haben diesen Beitrag zu schreiben. Ich hoffe, ich konnte euch einen kurzen Überblick über Angststörungen verschaffen.

–Lia

Ein Traum wird wahr

In diesem Blog versuche ich stets, die positiven, sowie negativen Seiten der dissoziativen Identitätsstörung aufzuzeigen. Klar, während gut 15 Jahren haben die negativen Aspekte dominiert, doch es gab immer wieder Lichtblicke. So konnte ich das Gymnasium abschliessen, erreichte einen Bachelorabschluss mit 24 Jahren und heiratete. Diese positiven Ereignisse und Lebensabschnitte hielten mich quasi über Wasser…

Der sichere Ort für meine WG

In der Therapie der dissoziativen Identiätsstörung (DIS) ist eine der ersten Methoden herauszufinden, welches der sichere Ort eines jeden Anteils ist. Das kann ein realer Ort sein – muss aber nicht. Fiktive Orte sind durchaus häufig. Ich persönlich stelle mir nur reale Orte vor, weil ich mich mental besser dorthin begeben kann. Wichtig ist, dass…

Gastbeitrag: Beziehung mit einer DIS-Patientin

Hallo zusammen. Ich darf einen Gast-Blogbeitrag schreiben bei «Be Many.» Kurz für alle, die mich nicht kennen. Mein Name ist Karina, bin 25 Jahre alt und in einer Beziehung mit Chantal. Ich verwende die Pronomen Sie und keine. Ich bin eine Frau jedoch bin ich intergeschlechtlich. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizits-Hyperaktivitätsstörung), PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) und rezidivierende Depressionen sind…

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