Tabubruch: DIS und Sexualität

Liebe Leserschaft,

vielleicht habt ihr euch schon einige Male gefragt, wie es so ist, wenn man Anteile des gegenteiligen (nicht-biologischen) Geschlechts hat und wie sich das im Alltag auswirkt. Ich kann euch sagen: Es gibt Aspekte, die nicht zu verneinen sind. In der Regel ist es so, dass ich mich leicht anders kleide, wenn Anteile wie Tim, Toby oder Bobby im Vordergrund sind. Es kann aber auch sein, dass das nicht der Fall ist – insbesondere dann, wenn diese Anteile nur kurz vorne sind. Dadurch zeigt sich mein Kleiderschrank von der bunten Seite. Ich besitze einerseits Kleidungsstücke, die man eher dem männlichen Geschlecht zuordnet, andererseits habe ich Teile, die klar von Frauen getragen werden. So viel dazu.

Die Farben für Bisexualität. Quelle: https://ratgeber.bunte.de/bisexualitaet-die-bedeutung-der-flagge-einfach-erklaert_135037

Fast wichtiger ist, wie sich diese männlichen Anteile auf meine Sexualität auswirkt. Bis vor ein paar Monaten war ich mit einem Mann verheiratet, mit dem ich seit 10 Jahren zusammen war. Es gab oder gibt jedoch auch Zeiten, in denen ich auf Frauen stehe. Lange habe ich das nicht verstanden – nun weiss ich: Es sind meine männlichen Anteile, welche diese sexuelle Neigung haben. Ich bin also de fakto bisexuell und stehe dazu. Diese Zeilen mögen für die einen überraschend sein, für andere erklären sie mein aktuelles und früheres Verhalten. Diese Zeilen könnt Ihr als mein offizielles Coming-Out verstehen. Bisher wussten nur wenige von dieser Seite. Versteht mich nicht falsch – ich möchte nicht, dass Bisexualität rein als Teil meiner Erkrankung gesehen wird. Sicherlich hatte ich auch so (vielleicht genetisch bedingt) eine Neigung, mich von beiden Geschlechtern angezogen zu fühlen. Meine dissoziative Identitätsstörung (DIS) hat dies nur noch mehr zum Ausdruck gebracht – so zumindest meine Theorie. Ihr könnt euch darüber streiten, ob ich mit meiner Theorie richtig liege.

Auf jeden Fall ist es so, dass ich auf Männer und Frauen stehe. In den letzten Jahren habe ich meine Sexualität mit einem Mann ausgelebt, in der Adoleszenz eher mit Frauen. Auch heute ist es so, dass die sexuelle Orientierung wechselt, wenn Tim, Toby oder Bobby vorne sind. Manchmal überdauert dieses Gefühl der Anziehung die Wechsel in weibliche Anteile, was meine Theorie unterstützt, dass ich schon vor meiner DIS eine Prädisposition zur Bisexualität hatte.

Fast schon amüsant ist dieser Umstand in Sachen Dating. Seit meiner Trennung hatte ich einige Dates – allesamt mit Männern. Das fanden Tim, Toby und insbesondere Bobby nicht wirklich toll. Wen wunderts. Wenn die DIS irgendwann im Verlauf des Dates zum Gespräch wird und ich auf meine männlichen Anteile angesprochen werde, wird es lustig. Mein Gegenüber kann das nur in den seltensten Fällen nachvollziehen, weshalb meine Dating-Ausflüchte bisher nicht wirklich von Erfolg geprägt waren.

Fazit: meine DIS hat wahrscheinlich Einfluss auf meine Sexualität. Um eine gelingende Partnerschaft zu erreichen braucht es offene und ehrliche Gespräche und Toleranz seitens des Gegenübers. Ich hoffe euch mit diesen Zeilen einen Einblick in meine Gefühlswelt gegeben zu haben. Ich weiss, dass es wieder ein Tabubruch ist. Ich persönlich finde es wichtig, auch darüber zu sprechen. Und noch etwas: Mama ich hoffe, du bist nicht allzu sehr geschockt, wobei ich denke, dass du es schon geahnt hast 😉

–Tim

Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation

Liebe Community, Wie in allen Dingen des Lebens – man entwickelt sich stets weiter. „Be Many!“, ein Blog der primär aus dem Nähkästchen im Leben einer Patientin mit einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) erzählt, wagt einen Schritt in den nächsten „Lebensabschnitt“: Ab sofort arbeitet „Be Many!“ mit der Online-Plattform Netzwerk: Trauma & Dissoziation zusammen. Klingt ähnlich?„Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation“ weiterlesen

Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann

An anderer Stelle dieses Blogs habe ich bereits von der Wichtigkeit des Tagebuchs im Leben einer Person mit dissoziativer Identitätsstörung erwähnt. Wie Ihr wisst, habe ich lange mit der Diagnose der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung (Typ Borderline) gelebt. Dort lernte ich die sogenannte dialektisch behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan kennen. Linehan war selbst Borderline-Patientin und entwickelte diese„Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann“ weiterlesen

Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist

Als eifrige Leser meiner Beiträge zur dissoziativen Identitätsstörung (DIS) wisst ihr, dass dieses Krankheitsbild selten allein auftritt. Fast immer geht es mit der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) einher, welche durch das Wiedererleben der traumatischen Situationen (Flashbacks, Intrusionen), dem Vermeiden von Dingen, die einen an das Erlebnis erinnern und dem erhöhten Gefühl des Bedrohtseins charakterisiert ist. Auch„Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist“ weiterlesen

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