DIS in der Arbeitswelt

Nichts ist schwieriger, als mit einer IV-Rente eine Beschäftigung zu finden, die a) gesetzlich erlaubt ist und b) mich auch erfüllt. Im Kanton Solothurn gibt es viele verschiedene Angebote angefangen mit der VEBO Genossenschaft, Netzwerk Grenchen und der Stiftung Solodaris. Es ist nämlich so, IV Rentnern ist es zwar erlaubt im sog. ersten Arbeitsmarkt (das sind solche Stellen, die die meisten kennen) zu arbeiten, dies allerdings mit der Auflage, dass ein Lohn-Höchstbetrag nicht überschritten werden darf und dies mit dem gesundheitlichen Zustand zu vereinbaren ist.

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Ich habe mich für einen anderen Weg entschieden. Seit dieser Woche arbeite ich als Mitarbeiterin in der Administration bei der VEBO Genossenschaft und muss sagen – ich bin glücklich damit. Ich habe mir zwar lange überlegt, ob ich diesen Schritt in den sog. zweiten Arbeitsmarkt (geschützte Arbeitsplätze) öffentlich machen soll, da er doch in der Gesellschaft noch immer stigmatisiert ist. Da ich als Be Many genau diesem Stigma entgegen treten will, habe ich mich dazu entschieden, auf der Job-Social-Media-Plattform Linkedin einen kurzen Text dazu zu verfassen – die Resonanz war überwältigend. Ich finde es wichtig, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit diskutiert wird und ich so meinen Beitrag zur Entstigmatisierung dieser Erkrankung leisten kann. (Anmerkung: Das gilt natürlich nicht nur für die DIS, sondern für jede psychische und physische Erkrankung)

Doch wie arbeitet man mit einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) überhaupt? Gibt es da nicht grosse Hürden zu überwinden? Ich muss sagen, vor ein paar Jahren wäre eine regelmässige Arbeit für mich undenkbar gewesen, einfach, weil die Gedächtnislücken, das Stimmenhören und die Selbstverletzungen eine geregelte Arbeit unmöglich gemacht hätten. Ich erhalte nun seit gut einem Jahr eine spezialisierte Therapie, die mit meinen inneren Anteilen arbeitet. Seither leide ich weniger an Gedächtnislücken und kann die Switches zunehmend besser steuern. Das macht es für mich im Arbeitsalltag natürlich leichter und ich bin leistungsfähiger. Ich denke die grösste Challenge besteht für meine Mitarbeitenden und Vorgesetzten, da sie mich nicht lange kennen und noch nicht auf alle Anteile getroffen sind. Ich denke, das könnte in Zukunft sowohl schwierig, als auch amüsant werden.

Ziel der Therapie ist es allerdings nicht, dass ich für immer im zweiten Arbeitsmarkt tätig sein werde. Für die nächsten Jahre ist es sicherlich neben meinem Psychologiestudium eine gute Tagesstruktur. Langfristig möchte ich ganz normal im ersten Arbeitsmarkt arbeiten – am liebsten als Psychologin in einer Praxis oder an einer Schule. Doch bis dahin ist der Weg noch weit. Ich denke, dass es wichtig ist als psychisch erkrankte Person dran zu bleiben und den Anschluss an den Arbeitsmarkt nicht zu verlieren. Ich finde, sich auf der IV-Rente auszuruhen ist keine gute Idee – man weiss nie, ob diese einem einmal gekürzt wird und dann ist man vielleicht froh, eine gewisse Arbeitsleistung vorweisen zu können.

–Lia

Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation

Liebe Community, Wie in allen Dingen des Lebens – man entwickelt sich stets weiter. „Be Many!“, ein Blog der primär aus dem Nähkästchen im Leben einer Patientin mit einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) erzählt, wagt einen Schritt in den nächsten „Lebensabschnitt“: Ab sofort arbeitet „Be Many!“ mit der Online-Plattform Netzwerk: Trauma & Dissoziation zusammen. Klingt ähnlich?„Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation“ weiterlesen

Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann

An anderer Stelle dieses Blogs habe ich bereits von der Wichtigkeit des Tagebuchs im Leben einer Person mit dissoziativer Identitätsstörung erwähnt. Wie Ihr wisst, habe ich lange mit der Diagnose der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung (Typ Borderline) gelebt. Dort lernte ich die sogenannte dialektisch behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan kennen. Linehan war selbst Borderline-Patientin und entwickelte diese„Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann“ weiterlesen

Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist

Als eifrige Leser meiner Beiträge zur dissoziativen Identitätsstörung (DIS) wisst ihr, dass dieses Krankheitsbild selten allein auftritt. Fast immer geht es mit der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) einher, welche durch das Wiedererleben der traumatischen Situationen (Flashbacks, Intrusionen), dem Vermeiden von Dingen, die einen an das Erlebnis erinnern und dem erhöhten Gefühl des Bedrohtseins charakterisiert ist. Auch„Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist“ weiterlesen

2 Kommentare zu „DIS in der Arbeitswelt

  1. Hallo Chantal,
    ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und freue mich riesig über den Artikel zur Arbeitswelt.
    Ich bin auch gerade dabei an meiner beruflichen Zukunft zu basteln und bin mir noch nicht sicher was geht und was wohl eine Illusion bleiben wird (habe jetzt auch ein zweites Studium angefangen).
    Ich wünsche dir alles Gute für deine Arbeit und freue mich mehr von dir zu lesen.
    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Liebe Sarah,

      vielen herzlichen Dank fürs Lesen meines Blogs. Ein Studium ist sicherlich eine gute Option – in welche Richtung planst du denn zu studieren? Ich werde ab den Herbst ein Psychologiestudium beginnen 🙂

      Ich hoffe, dich auch in Zukunft zu meiner Leserschaft zählen zu dürfen und würde mich über weitere Kommentare freuen.

      Liebe Grüsse

      Chantal

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