Depersonalisation – was ist das?

Willkommen zurück bei „Be Many!“! Heute werde ich euch ein Symptom der dissoziativen Identitätsstörung (DIS) etwas näher bringen – die Depersonalisation. Sie kann auch bei anderen psychiatrischen Krankheitsbildern wie beispielsweise Angststörungen oder Depressionen, bei körperlichen Erkrankungen oder als eigenständige Störung auftreten. Ca. 2% der Menschen erfüllen die Diagnosekriterien einer Depersonalisation. Mindesten 50% haben vorübergehende Beschwerden. Doch was ist das genau?

https://körperpsychotherapie-freiburg.de/2018/12/05/das-entfremdete-selbst/

„Ich erlebe mich wie abgetrennt von meiner Umgebung oder diese erscheint mir unwirklich, so als ob ein Schleier zwischen mir und der äußeren Welt wäre.“

„Aus heiterem Himmel fühle ich mich fremd, als ob ich nicht wirklich wäre oder als ob ich von der Welt abgeschnitten wäre.“

„Es kommt mir vor, als ob ich mich außerhalb meines Körpers befinde.“

„Ich komme mir wie abgetrennt von Erinnerungen an Ereignisse meines Lebens vor, so als ob ich nicht daran beteitligt gewesen wäre.“

„Vertraute Stimmen (einschließlich meiner eigenen) klingen entfernt oder unwirklich.“

Depersonalisationssymptome umfassen (MSD Manuals): Sich losgelöst von ihrem Körper, ihrem Geist, ihren Gefühlen oder Empfindungen fühlen. Die Patienten fühlen sich wie ein Beobachter ihres Lebens von außen. Viele Patienten geben auch an, sie fühlten sich unwirklich oder wie ein Automat (ohne Kontrolle über das, was sie sagen oder tun). Sie fühlen sich emotional und körperlich gefühllos oder fühlen sich distanziert, mit wenig Emotionen. Manche Patienten können ihre Emotionen nicht erkennen oder beschreiben (=Alexithymie). Sie fühlen sich oft abgespalten von ihren Erinnerungen und sind nicht in der Lage, sich an diese deutlich zu erinnern. Besonders dieser Umstand macht die Depersonalisation so zentral für die dissoziative Identitätsstörung.

Die Depersonalisation kann jedoch auch andere Ursachen haben:

  • Misshandlung (psychisch, physisch, emotional)
  • häusliche Gewalt
  • schwer psychisch beeinträchtigte Eltern
  • unerwarterter Todesfall eines nahen Menschen
  • andere: Substanzen wie Marihuana, Ketamin, Halluzinogene

Die Depersonalisation ist ein schweres Krankheitsbild. Anders als bei der Schizophrenie haben die Patienten ein intaktes Gefühl für die Realität, d.h. sie haben das Wissen, dass ihre irrealen Erfahrungen nicht der Wirklichkeit entsprechen. Die Prognose ist gut – das Leiden der Patienten verbessert sich häufig ohne Intervention. In einigen Fällen ist die Depersonalisation allerding therapierefraktär (d.h. spricht auf keine Therapie an). Therapeutisch versucht man das Problem mit Psychotherapie anzugehen. Wahrscheinlich erkennt ihr die Depersonalisation innerhalb der dissoziativen Identitätsstörung wieder. Ich hoffe, euch einen kurzen Einblick gegeben zu haben. Bis bald!

–Lia

In English:

https://be-many.medium.com/depersonalisation-what-is-it-b015d31cef24

Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation

Liebe Community, Wie in allen Dingen des Lebens – man entwickelt sich stets weiter. „Be Many!“, ein Blog der primär aus dem Nähkästchen im Leben einer Patientin mit einer dissoziativen Identitätsstörung (DIS) erzählt, wagt einen Schritt in den nächsten „Lebensabschnitt“: Ab sofort arbeitet „Be Many!“ mit der Online-Plattform Netzwerk: Trauma & Dissoziation zusammen. Klingt ähnlich?„Neue Zusammenarbeit mit Netzwerk: Trauma & Dissoziation“ weiterlesen

Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann

An anderer Stelle dieses Blogs habe ich bereits von der Wichtigkeit des Tagebuchs im Leben einer Person mit dissoziativer Identitätsstörung erwähnt. Wie Ihr wisst, habe ich lange mit der Diagnose der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung (Typ Borderline) gelebt. Dort lernte ich die sogenannte dialektisch behaviorale Therapie (DBT) nach Linehan kennen. Linehan war selbst Borderline-Patientin und entwickelte diese„Wie man als DIS-Patientin den Tag dokumentieren kann“ weiterlesen

Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist

Als eifrige Leser meiner Beiträge zur dissoziativen Identitätsstörung (DIS) wisst ihr, dass dieses Krankheitsbild selten allein auftritt. Fast immer geht es mit der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) einher, welche durch das Wiedererleben der traumatischen Situationen (Flashbacks, Intrusionen), dem Vermeiden von Dingen, die einen an das Erlebnis erinnern und dem erhöhten Gefühl des Bedrohtseins charakterisiert ist. Auch„Wenn die Begleitdiagnose keine Nebensache ist“ weiterlesen

2 Kommentare zu „Depersonalisation – was ist das?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: