Die Krankheit bewältigen – Resilienz und Coping

Selten habe ich Wörter im Zusammenhang mit psychischer Widerstandsfähigkeit öfter gehört, als „Resilienz“ oder das neudeutsche „Coping“. Fast inflationär werden diese in der heutigen Zeit in den Medien verheizt – gerade in Pandemiezeiten, in der die psychische Gesundheit der Bevölkerung zunehmend leidet, umso mehr. Buchhandlungen werden regelrecht überflutet von Büchern, welche angeblich dabei helfen sollen die Resilienz zu stärken oder besser mit Situationen „zu copen“. Das suggeriert, dass beide (eigentlich) Schutzmechanismen erlernbar sind. Auch ich benutze diese Worte im Alltag oft, einfach weil es für mich einfacher ist. Doch, was genau versteht man unter diesen beiden Begriffen? In der Folge werde ich versuchen euch ein umfassendes Bild davon zu verschaffen, damit ihr diese Begriffe in Zukunft richtig und der Situation angemessen (in dem Fall nicht zu häufig) gebrauchen könnt. Vielleicht entdeckt ihr dabei auch die eine oder andere Strategie, um eure psychische Widerstandsfähigkeit zu stärken – wer weiss!

Photo by Ann H on Pexels.com

Unter „Resilienz“ versteht man „die psychische Widerstandskraft oder Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.“ (Oxford Languages) Reicht euch das? Ich bewege mich nun schon einige Jahre im Gesundheitswesen und ich gebe zu, ich kann mir unter dieser Definition nichts Konkretes vorstellen. Dafür muss ich ein wenig ausholen: Man versteht darunter einen Prozess, der schlussendlich eine Verhaltensänderung nach sich zieht. Bestandteile davon sind der Auslöser (z.B. Trauma), die Faktoren, die die Resilienz begünstigen (auch Ressourcen wie Kognition, Bildung etc.) und die Konsequenzen (Verhaltensänderung). Abbildung 1 illustriert sehr schön das Zusammenspiel von unterschiedlichen Faktoren (der Innen- und Aussenwelt der Patienten) auf die Resilienz. Damit komme ich auch zum nächsten Begriff „Coping“, welcher einen Einfluss auf die Resilienz einer Person ausübt.

Aus „Resilienz – Geschichte, Modelle und Anwendung“ (Springer)

Coping“ kann mit dem deutschen Begriff „Bewältigungsstrategie“ gleichgesetzt werden, die die Bewältigung von Stress, Krankheit oder Angst ermöglicht. Sie kann funktional oder dysfunktional sein. Beispiele:

  • funktional: Selbsthilfegruppen, Besuch von Achtsamkeitstrainings, Sport usw.
  • dysfunktional: Medikamente- und Alkoholkonsum, Workaholics, sich exzessiv auf unseriösen Internetseiten über seine Erkrankung informieren

Ich persönlich wende aktuell mehrere Coping-Strategien an. Zum einen treibe ich regelmässig Sport, gehe oft spazieren und ernähre mich mehr oder weniger gesund, zum anderen schreibe ich diesen Blog ;-). Dadurch, dass ich mich für jeden Post neu informieren muss, lerne ich sehr viel über psychische Erkrankungen im Allgemeinen und über die dissoziative Identitätsstörung (meinem Krankheitsbild) im Spezifischen. Durch die Texte, die ich hier verfasse kann ich meine Gedanken abladen, ordnen und in ein grösseres Ganzes einbetten. Zudem helfen mir die Beiträge, meine Gedächtnislücken zu füllen – sie sind fast wie ein zweites Tagebuch, das ich führe.

Fun fact: Nicht alle meiner Ich-Zustände wollen diesen Blog schreiben. Svea, Toby und Emily beispielsweise sind dagegen, daher findet ihr auch nur wenige Texte von ihnen.

Chantal

„Resilienz“ und „Coping“ sind zentrale Elemente in der psychotherapeutischen Behandlung von Patienten und wichtig für den Umgang mit Erkrankungen (psychisch UND physisch). Insbesondere die Ressourcenaktivierung (die Dinge, die der Patient kann, fördern) und das Erlernen der Bewältigungsstrategien spielen eine grosse Rolle. Auch hier kann ich ein Beispiel aus meiner Krankheitsgeschichte erzählen. Eine grosse Ressource von mir ist mein Wissen und die Fähigkeit, mir dieses anzueignen. Einer meiner Therapeuten meinte einmal, dass „man dies unbedingt fördern müsse, weshalb eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt (Forschung) absolut denkbar sei“. Weiter sind mein Umfeld (Freunde, Familie) eine grosse Stütze, welche man unbedingt in das Behandlungskonzept integrieren soll. Aber auch in einem akutstationären Setting (also in der psychiatrischen Klinik) kann man die Ressourcen der Patienten/-innen fördern, indem man ihnen z.B. die Verantwortung bei der Medikamenteneinnahme übergibt oder dafür sorgt, dass sie am Morgen selbständig aufstehen müssen (was z.B. bei depressiven Patienten nicht so einfach ist!) Es sind kleine Dinge – doch ich kann bestätigen, diese haben eine grosse Wirkung! Ich bin sicher auch ihr (auch wenn ihr gesund seid) habt gewisse Strategien und Ressourcen, die die Resilienz fördern – falls nicht, ist es Zeit, diese zu entdecken!

–Chantal

In English:

https://be-many.medium.com/coping-with-the-disease-resilience-5455d2165ca7

Umzug in einen neuen Lebensabschnitt

Es ist schon eine ganze Weile her, seit ich den letzten Blogbeitrag verfasst habe. Diese etwas länger dauernde „Winterferien“ hatten ihren Grund – ich bin in eine von Fachpersonen betreute WG umgezogen. Es ist ein Schritt, den ich lange vermeiden wollte, der aber aus Sicht von Fachpersonen, meiner Familien und mir eine gute Idee ist.…

Der Gang in die Unsicherheit

Ich befinde mich nun schon seit knapp zwei Monaten in einer Klinik. Heute darf ich zur Belastungserprobung zu Hause übernachten. Wenn das gut funktioniert, darf ich schon morgen nach Hause. Was? Schon morgen? Irgendwie fühle ich mich gerade etwas überfordert – putzen, kochen etc. muss ich nun wieder alles selbst machen. Zudem ist es für…

Weihnachten in der Klinik

Nun ist es offiziell: Ich werde Weihnachten in der Klinik verbringen. Klar, auf der einen Seite ist das schade, weil ich das Zusammensein mit meiner Familie vermisse. Andererseits wäre ich dieses Weihnachten sowieso alleine zu Hause, da alle in den Ferien sind oder schlicht zu weit entfernt wohnen. Was das mit mir macht? Es stimmt…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: