Burnout vs. Depression – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Ich glaube nichts in der Welt der psychiatrischen Erkrankungen verwirrt mich persönlich so sehr wie die beiden Begriffe „Burnout“ und „Depression“. Manchmal werden sie unterschieden und klar voneinander abgegrenzt, ein andermal praktisch synonym verwendet. Ich denke, jeder kennt jemanden, der jemanden kennt, der eine dieser beiden Erkrankungen hat – ich wette ihr findet die Begriffswahl auch verwirrend? Doch was stimmt jetzt? Ich werde versuchen, Licht ins Dunkle zu bringen und euch die beiden Begriffe bzw. Krankheitsbilder genauer vorzustellen.

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Die Burnout-Erkrankung wird nachwievor heiss diskutiert – es existieren zahlreiche Definitionen und Begriffserklärungen, was die Einordnung nicht einfacher macht. Wahrscheinlich ist auch diese Begriffs-Unschärfe dafür verantwortlich, dass das Burnout-Syndrom bis heute nicht als eigenständige Diagnose in der „diagnostischen Bibel“ DSM-5/ICD-10 aufgeführt wird. Sie wird lediglich unter der Diagnose „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ erwähnt. Eine „Definition“ von Burnout, die ich plausibel finde, ist Folgende: „[…] unspezifischer Sammelbegriff für Reaktionen auf anhaltende Belastungen und Überforderungen am Arbeitsplatz oder im häuslichen Bereich.“ (Psychiatrie und Psychosomatik; Angstwurm & Kia). Charakteristisch ist, dass Betroffene wochenlang unter einem physischen und emotionalen Erschöpfungszustand leiden und somit die Leistungsfähigkeit reduziert ist. Begleitend können Schlafstörungen, depressive Symptome (z.B. Antriebslosigkeit) und psychosomatische Beschwerden (z.B. Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme) auftreten. Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde „kann von einem Burnout gesprochen werden, wenn sich ungewöhnliche Anforderungen der Arbeitswelt in vegetativen Stresssymptomen (z.B. Schlaflosigkeit, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit etc.) äußern, mehrere Wochen bis Monate anhalten und sich nicht in kurzen Erholungsphasen zurückbilden. Somit kann Burnout als ein Risikozustand gesehen werden, aus dem sich Folgekrankheiten wie eine Depression entwickeln können.“ (DocCheck)

Damit komme ich zum zweiten Krankheitsbild – der Depression. Sie ist Teil der sog. affektiven Störungen (krankhafte Veränderungen der Stimmung), zu denen auch die Manie oder die bipolare Störung (Wechsel zwischen manischen und depressiven Phasen) gehören. Die Depression ist gekennzeichnet durch Antriebslosigkeit, Beeinträchtigung der Stimmung, Verlust von Freude, emotionale Leere und Interessensverlust. Die Einteilung erfolgt anhand klinischer (=Symptome) und psychosozialer (=Verlaufsform, Schweregrad) Faktoren und wird von rezidivierenden (=wiederkehrenden) Depressionen abgegrenzt. Die Erkrankung ist multifaktoriell verursacht (Genetik, psychosziale und neurobiologische Faktoren). Die Diagnosekriterien lauten:

  • Dauer: mind. 2 Wochen
  • Mind. 4 der folgenden 10 Symptome & mind. 2 der ersten 3 Symptome
    Depressive Verstimmung, Verlust von Interesse und Freude, Ermüdbarkeit und Energieverlust, Verlust von Selbstvertrauen, Schuldgefühle, Suizidgedanken/Verhalten, Verminderung der Konzentration, veränderte psychomotorische Aktivität, Schlafstörungen, Änderungen des Appetits (-> Gewichtsveränderungen).
Abbildung 1

Ihr seht – es gibt gewisse Ähnlichkeiten. Aber, es gibt auch Unterschiede, die Brühlmann (2010, siehe Datei am Ende) schön herausgearbeitet hat. „Der Burnoutpatient hat sich typischerweise in eine Lebenssituation manöveriert, wo tatsächlich hohe äussere Leistungsanforderungen vorhanden sind (Stressor). Seine innere Einstellung und Motivation, der Stressverstärker, ist antreibend. Dies sind die bekannten Burnoutrisikofaktoren: Perfektionismus («sei perfekt!»), betontes Harmoniebedürfnis, auch Helfersyndrom genannt («sei beliebt!») und zwanghaftes Kontrollbedürfnis.“ Bei der Depression handelt es sich um eine Abwärtsspirale mit folgenden Grundgedanken wie „ich kann nicht“ oder „niemand hat mich gern“. Betroffene können einer hohen, mittleren oder tiefen Belastung ausgesetzt sein (im Vgl. zum Burnout). Dieser Einbruch dieses sog. Stresszirkels (siehe Abbildung 2) führt in beiden Fällen zu einer Erschöpfungsdepression. Zudem – „die Frage «Was würden Sie tun, wenn Sie nicht derart erschöpft wären?» wird als wegleitende klinische Frage verstanden, die eine Unterscheidung von Burnout- und depressiven Patienten erlaube.“ (Hell, 2009) Burnout-Patienten haben in der Regel viele Ideen, während depressive Menschen keine haben. Therapeutisch unterscheiden sich Burnout und Depression kaum – es wird meist einfach anders genannt (dazu an anderer Stelle mehr).

Abbildung 2

Wie ihr sehen könnt – eine Unterscheidung ist nicht immer klar möglich. Auffallend ist, dass das Burnout-Syndrom aus einer Situation mit hohem Leistungsanspruch entsteht, während dies bei der Depression nicht unbedingt der Fall sein muss. Aus einem Burnout kann sich im Verlauf eine Depression (sog. Stressdepression) entwickeln – die Übergänge sind also fliessend. Ich hoffe, euch trotzdem einen Einblick verschafft zu haben und dass ihr dieses Wissen weitergeben könnt. Ich bin mit Absicht nicht auf die (negativen) Konnotationen der einzelnen Begriffe eingegangen – dazu folgt zu einem späteren Zeitpunkt ein separater Beitrag.

–Lia

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